Konzept

Was ist modale Musik?

Ob Jazz, alte Kirchenmusik, Rock, Filmmusik, indische Klassik, moderne Sinfonik, Irish Folk, Dancefloor - die Modes sind das Bindeglied zwischen Musikrichtungen der verschiedensten Kulturen und Zeiten.

Die Modes - ein Weg, der organisch vom naiven und einfachen Musizieren bis zu komplexen und virtuosen Stücken führt.

 

Kurzdefinition

Der Begriff modal bezieht sich auf eine Richtung der Harmonielehre, in der die Klangcharaktere verschiedener Tonleitern besonders berücksichtigt werden.
Dabei ist eine Tonleiter (oder Skala) eine Reihe verschiedener Töne, die für die Melodien und Harmonien eines Stückes gebraucht werden; ein “Mode” ist eine Tonleiter mit einem spezifischen Aufbau und spezifischen Klangcharakter.

 

Modes der Durtonleiter

Auch dem Laien sind die Begriffe “Dur” und “Moll” bekannt. Diese beiden Tonleitern werden im modalen Jargon “Ionisch” (für Dur) und “Aeolisch” (für Moll) genannt. Beide Tonleitern lassen sich auf den weissen Tasten des Klaviers spielen. Neben diesen beiden Skalen gibt es 5 weitere Tonleitern, die sich mit den gleichen Tönen spielen lassen. Modes, die sich auf den weissen Tasten des Klaviers spielen lassen, nennt man auch “Modes der Durtonleiter” oder “Kirchentonarten”. Diese Tonleitern unterscheiden sich nur darin, mit welchem Ton man beginnt. Wenn man nur die weissen Tasten benutzt, beginnt Dur zum Beispiel mit C und Moll mit A.

 

Die sieben Modes sind:

 

01

Ionisch

Midi Hörprobe

02

Dorisch

Midi Hörprobe

03

Phrygisch

Midi Hörprobe

04

Lydisch

Midi Hörprobe

05

Mixolydisch

Midi Hörprobe

06

Aeolisch

Midi Hörprobe

07

Lokrisch

Midi Hörprobe

 

Diese sieben Tonleitern sind die Basis für modales Spiel. Aus ihren Tönen können Basslinien, Akkorde und Melodien gebildet werden. Man kann in diesen Skalen improvisieren und auch mit ihnen komponieren.

 

Stimmungen der Modes

Es handelt sich um einen musikalischen Allgemeinplatz, dass Stücke in Dur eher “fröhlich”, Stücke in Moll eher “traurig” klingen.

Das ist sicher eine grobe Vereinfachung, denn die Stimmung eines Stückes hängt auch von ganz anderen Eigenschaften der Musik ab. Unter anderem spielen Rhythmus, Tempo, Spielweise und die Auswahl der Instrumente oder Stimmen ebenfalls wichtige Rollen.
(Man stelle sich vor, das gleiche Stück werde von Metallica, Louis Armstrong, Enya oder den Berliner Philharmonikern interpretiert - es werden sicherlich verschiedene Stimmungen vermittelt!)
Ebenso ändert sich die Stimmung eines Stückes, wenn man die Melodien und Harmonien an die Dur- oder die Molltonleiter anpasst. Die Harmonien zu benennen wird dem unbelasteten Hörer wahrscheinlich schwerer fallen, als Enya oder Metallica zu identifizieren - dennoch wirken die Klänge auch unbewusst auf den Hörer.

Wie Dur oder Moll haben alle der Modes unterschiedliche Klangcharaktere, die auch emotional wirken.

 

Alle Modes mit Ausnahme des lokrischen basieren auf einem Dur- oder Mollakkord als Grundakkord. Der lokrische Modus basiert auf dem verminderten Akkord. Da dieser Grundakkord unstabil klingt, wird lokrisch nicht über längere Passagen gebraucht. Wer Stücke kennt, die durchweg auf Lokrisch aufgebaut sind, kann mir ja einmal mailen!

In der Praxis werden daher die ersten sechs Modes gebraucht, lokrisch nur für kurze Übergänge zwischen anderen Modes.

 

Um einen musikalischeren Eindruck vom Charakter der Modes 1-6 zu bekommen, habe ich einmal „das gleiche Stück“ in den verschiedenen Modes umgesetzt. Alle Basslinien, Akkorde und Soli bestehen ausschliesslich aus dem jeweiligen Mode.

 

01

Ionisch

„Jazz Rock“

02

Dorisch

„Jazz Rock“

03

Phrygisch

„Jazz Rock“

04

Lydisch

„Jazz Rock“

05

Mixolydisch

„Jazz Rock“

06

Aeolisch

„Jazz Rock“

 

Betonung der Skala durch den Grundton

Die C-Dur-Tonleiter und die A-Moll-Tonleiter setzen sich jeweils aus den gleichen Tönen zusammen. Sie haben das gleiche Tonmaterial. Da dieses Tonmaterial oft benutzt wird, hat es sich auch im Instrumentenbau niedergeschlagen. die weissen Tasten des Klaviers zum Beispiel entsprechen eben diesem in der europäischen Musik grundlegendem Tonmaterial. Worin unterscheiden sich Dur und Moll dann?

Die Abstände der einzelnen Tonleitertöne zum Grundton der Skala unterscheiden sich. Das heisst, die anderen Töne der Dur- und der Mollskala stehen in einem für diese Skala typischen Abstand zum Grundton der Skala.

Dies hat nicht nur theoretische Bedeutung, sondern auch praktische: In vielerlei modaler Musik wird der Grundton des jeweiligen Modes oft oder sogar durchgehend gespielt; sei es als “Drone”, als Bestandteil eines Akkordes oder als oft wiederkehrender Ton in einem Bassgroove, oder als sogenannter Orgelpunkt in der Melodie oder der Begleitung. Dieser Grundton ist das harmonische Fundament des Modes. Mit leichter Übertreibung kann man sagen, dass die Skala, die sich über diesem Grundton entwickelt, diesen umspielt und “einfärbt”, so wie ein gedachter Horizont von den vor ihm liegenden Bergen, Häusern, Wäldern, Wellen usw. mit konkreter Form ausgestattet wird.

 

Transponierbarkeit

Eine Durtonleiter kann man nicht nur auf dem Grundton C aufbauen, sondern auf jedem anderen Ton auch. Dabei braucht nur der ”Bauplan”, das heisst, die Abstände der anderen Töne zum Grundton, beibehalten werden, um den Charakter der Dur-Skala zu bewahren. Die Skala wir mitsamt Grundton transponiert, also in der Tonhöhe nach oben oder unten verschoben. Mit Moll verhält es sich ebenso, und auch mit den anderen Modes.

Sieben Modes von zwölf Grundtönen aus gespielt ergeben dementsprechend 84 Tonarten. Durch diese Vielzahl der Tonarten und der Kombinationsmöglichkeiten kann der harmonische Charakter eines Stückes weiter differenziert werden. Ebenso kann auf diese Weise quasi jedes gegebene Musikstück modal erklärt werden.

 

 

Trotz dieses kurzen theoretischen Abrisses sollten der eigene Geschmack, das eigene Gehör und der Spaß an der Musik nicht vergessen werden, denn:

“Wenn sich die Kochkunst so entwickelt hätte wie die “Kunstmusik”, dann könnte man heute nichts mehr essen!”

 

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